St. Hubertus Petershagen 

Die Kirche in Petershagen wurde am 27. Mai 1934 nach kurzer Bauzeit gesegnet. Die Weihe der Kirche erfolgte erst Jahrzehnte später - sozusagen indirekt - bei der Weihe des neuen Altares am 15. August 1966. Als Namenspatron wurde der heilige Hubertus gewählt, da es größere Waldgebiete in und nahe der neuen Pfarrei gab. Als Architekt wurde Josef Bachem beauftragt, ein Verfechter der zeitgenössischen Moderne, der zahlreiche katholische Kirchen im Bistum Berlin geschaffen hatte.

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Zur Geschichte

Ein Auszug aus der Chronik von St. Hubertus Petershagen erzählt etwas zur Geschichte der Kirche und der Entstehung der Pfarrgemeinde.

Der Kreuzweg

Die kanonische Errichtung des Kreuzweges erfolgte am Passionssonntag 1938. Er ist eine Schöpfung des jungen Berliner Künstlers Rudolf Heltzel in einer hierfür wohl noch kaum angewandten Intarsientechnik.

Die Orgel

Seit 1966 besitzt St. Hubertus Petershagen eine Orgel. Das Instrument ist aus dem Hause Schuke in Potsdam.

Die Orgel von St. Hubertus Petershagen

Die Weihe der Orgel fand am 14. August 1966 am Vorabend zum Fest der Aufnahme Mariä in den Himmel statt. Seit dem Jahr 1959 wurde intensiv über die erste Orgel in unserer Kirche nachgedacht, geplant, gespart und schließlich von der Orgelbaufirma Alexander Schuke aus Potsdam gebaut. Es entstand ein für die Kirche St. Hubertus und darüber hinaus für das Dekanat beachtliches Werk, hinsichtlich seiner Größe und Qualität. Die Orgel verfügt über zwei Manuale und Pedal mit 16 Registern, die nicht nur im einzelnen hervorragende Klangfarben enthalten, sondern die sich auch auf vielfältige und reizvolle Weise miteinander kombinieren lassen. Vor allem für das liturgische Spiel, für Choralvorspiele aller Art, für Chor- und Gemeindebegleitung, für den Psalmengesang wie für das Kirchenlied, können die verschiedensten Farbmischungen zusammengestellt werden.

Die mechanische Traktur der Orgel gewährleistet stets eine klare Linienzeichnung, sie erzieht aber auch den Spieler zu äußerster technischer Präzision sowie zum sparsamen Gebrauch der ihm zur Verfügung stehenden klanglichen Gestaltungsmittel.

Die seitliche Aufstellung der Orgel auf der Empore erweist sich in jeder Hinsicht als günstig: Chor und Instrumentalgruppen lassen sich gut aufstellen, vom Spieltisch aus leiten und auch der Lichteinfall durch das große Emporenfenster ist in keiner Weise beeinträchtigt.

Orgeldisposition

erstellt von Prof. Joseph Ahrens

 

I. Manual (Hauptwerk)II. Manual (Hinterwerk)
Rohrflöte8'Gedackt8'
Principal4'Hohlflöte4'
Nassat2 2/3'Principal2'
Waldflöte2fTertian2f
Mixtur3-4fCymbel3f
  Krummhorn8'
PedalTremulant 
Subbass16'  
Oktavbass8'Koppeln
Pommer4'Koppel II/I 
Nachthorn2'Koppel I/P 
Fagott16'Koppel II/P 

 

Auszug aus der Chronik von St. Hubertus Petershagen

Vorgeschichte der Pfarrei St. Hubertus Petershagen

Pfarrer Joseph Siebner

1904 wurden in Rüdersdorf und in Hoppegarten (bis dahin zu den Pfarreien Fürstenwalde bzw. Wriezen gehörig) selbstständige Kuratien errichtet. Alle Orte bzw. Ortsteile, die jetzt zur Pfarrei Petershagen gehören, gehörten damals zur Kuratie Hoppegarten, nur Petershagen selbst wurde in den Gründungsurkunden der Kuratien Rüdersdorf und Hoppegarten nicht erwähnt. Es hing also kirchlich in der Luft! Erst 1908 entschied Kardinal Kopp in Breslau, dass Petershagen zu Rüdersdorf gehören soll. Bis 1925 wurde es von dort pastoriert. 1925 kam Petershagen zu Hoppegarten.
Im Mai 1927 wurde in der Kirchengemeinde Hoppegarten eine Mission abgehalten. Dabei stellte sich die dringende Notwendigkeit heraus, im Gebiet Petershagen / Fredersdorf / Neu-Vogelsdorf / Bruchmühle / Altlandsberg-Süd (wie das jetzige Fredersdorf-Nord damals hieß) eine neue Seelsorgestation zu gründen. Pfarrer Joseph Siebner (geb. am 7. Oktober 1879 in Lindenau Kr. Grottkau/OS, geweiht am 21. Juni 1904), seit 1908 in Hoppegarten, berief zum 10. November 1927 eine Versammlung der Katholiken dieses Gebietes ein. Daraufhin wurde ab Sonntag, den 4. Dezember 1927, an jedem Sonntag bis zur Einweihung der St. Hubertus-Kirche in Petershagen Gottesdienst gehalten im Tanzsaal des Gasthauses "Zu den drei Linden" am Bahnhof Fredersdorf; Eigentümer: Herr Oswald Dippold.

ehemaliger Gasthof "Zu den drei Linden"
Altar aus 12 Teilen

Jetzt ist in diesem Raum die Lebensmittelabteilung des Kaufhauses Centrum. - Am 8. Dezember 1927 wurde auf einer "Generalversammlung" der betreffenden Katholiken der "Katholische Kirchbau-Sammelverein Petershagen und Umgegend" gegründet, dessen Name am 2. Februar 1928 geändert wurde in "Katholischer Kirchbau-Sammel-Verein Petershagen-Fredersdorf". Zum Vorstand gehörten: Herr Pfarrer Siebner als geistlicher Beirat, aus Petershagen: die Herren Marquardt (1. Vorsitzender), Hartmann (2. Vorsitzender), Krajezyrski (1. Kassierer) und Frau Cremer (2. Kassierer), aus Fredersdorf Herr Ewald Geiger (1. Schriftführer) und aus Neu-Vogelsdorf Herr Johannes Schulz (2. Schriftführer).
Dieser Kirchbau-Sammelverein sammelte vor allem die Katholiken, die sich mehr und mehr hier ansiedelten, zu einer Gemeinde. Er sorgte für Gottesdienste, Gemeindefeste und Gemeindecaritas. - Der Verein bestand bis Anfang 1938, und zwar bis Anfang 1937 unter dem Vorsitz von Herrn Reinhard Marquardt, zum Schluss von Herrn Josef Minter.
Zu den Gottesdiensten im Tanzsaal wird folgendes berichtet: "Die für die hl. Messe notwendigen Gegenstände werden in einem kleinen Ankleideraum neben der Bühne des Tanzsaales aufbewahrt. Ein 75-jähriger pensionierter Beamter, Herr Thomas, und eine 56-jährige Witwe, Bertha Cremer, bauen Sonntag für Sonntag den Altar auf und werden dabei von zehn Männern und zehn Frauen unterstützt, die sich alle fünf Wochen abwechseln. Etwa neunzig Gegenstände - die Blumen, Vasen und Altarwäsche nicht gerechnet - müssen jedes Mal herbeigeholt und nach dem Gottesdienst wieder in den Ankleideraum gebracht werden, was nur Herr Thomas richtig fertig bringt. Thomas hat in den 6 ½ Jahren noch nicht einmal gefehlt.

Der Bau der Kirche und des Pfarrhauses

Im Jahresbericht des Kirchbau-Sammel-Vereins über das Geschäftsjahr 1930 heißt es: "Es kann die erfreulich Tatsache vermerkt werden, dass die Pfarrkirche (gemeint ist die Kirchengemeinde Hoppegarten E.D.) bereits ein in Petershagen gelegenes Kirchengrundstück erworben hat, wozu der Verein dem Kirchenvorstand 2.000,- RM zur Verfügung gestellt hat, obwohl nicht alle Mitglieder von der Lage des Grundstückes erfreut waren."
Für 1931 setzte der Generalvorstand des Bonifatiusvereins Paderborn den Kirchbau auf die Liste der Vorzugsobjekte und bewilligte 35.000,- RM. Doch erklärte die Bischöfliche Behörde in Berlin die Finanzierung des ganzen Baues mit Pfarrhaus und Gemeindesaal noch nicht für gesichert. Die Hoffnung des Kirchbau-Sammel-Vereins, 1932 bauen zu können, erfüllte sich nicht. Erst 1933 konnte der Verein 3.000,- RM Kirchenbaufonds anbieten und weitere 7.000,- RM in Aussicht stellen. Da auch das Diözesan-Komitee des Bonifatiusvereins Berlin 10.000,- RM beizusteuern bereit war, wurde am 11. Juli 1933 die Baugenehmigung erteilt. Der Kirchenvorstand bevollmächtigte ein Baukomitee, bestehend aus Pfarrer Siebner, Herrn Marquardt und Herrn Maiwald, die Verhandlungen mit den Firmen zu führen. Architekt Josef Bachen, Berlin Johannisthal, der Erbauer der St. Augustinus-Kirche in Berlin, Dänenstraße, und der St. Martinskirche in Berlin-Kaulsdorf, übernahm Entwurf und Oberleitung. Der Bau wurde der Firma Carl Hensel, Petershagen, übertragen.

Schon am 18. Juni 1933 erfolgte durch Herrn Pfarrer Siebner der erste Spatenstich für die Kirche. "Der Entschluss hierzu kam etwas plötzlich, aber trotzdem hatte es sich schnell herumgesprochen und die Gemeinde nahm recht regen Anteil. 91 Segenssprüche von Gemeindemitgliedern wurden dem 1. Spatenstich mit auf den Weg gegeben. Anschließend fand dann ein gemütliches Beisammensein im Restaurant Försterklause statt, wo der benutzte Spaten für 31,- RM meistbietend versteigert wurde. - Mit dem begonnenen Werk begannen auch gleich die Schwierigkeiten. Auf Anordnung der Regierung in Potsdam musste der Bau vorübergehend eingestellt werden." Am 6. August 1933 konnte dann doch der Grundstein gelegt werden, und zwar in Anwesenheit des Vizepräsidenten des Generalvorstandes des Bonifatiusvereins Paderborn, Prälat Schäfers, durch den Vorsitzenden des Diözesan-Komitees des Berliner Bonifatiusvereins, Geistlichen Rat Erzpriester Sumra aus Berlin-Karlshorst.

Grundsteinlegung

Ungefähr 1.000 Personen nahmen an der Feier teil, viele von ihnen aus Berlin. 28 Vereine hatten ihre Fahne entsandt. Nach einem eindrucksvollen Umzug durch Petershagen fand im Restaurant Försterklause eine weltliche Feier statt, die von ungefähr 500 Personen besucht war. Gemeindevorsteher Graßnick hielt dabei eine sehr herzliche Glückwunschrede.
Mitte Dezember 1933 unterbrach die Firma Hensel die Bauarbeiten, da ihr die Finanzierung ungeklärt erschien. Im Frühjahr 1934 schritten die Arbeiten dann schnell vorwärts, so dass sich der Kirchbau-Sammel-Verein nun den Vorarbeiten für die Einweihung widmen konnte. "U.a. musste das ganze Gelände um die Kirche planiert werden. Es mussten ungeheure Erdmassen von einem Ende des Grundstücks zum anderen bewegt werden. Alle Arbeiten wurden von den Mitgliedern des St. Hubertus-Vereins für Gotteslohn ausgeführt und zwar von Männern und Frauen. Mit besonderem Dank muss dabei der Herren Thomas und Krajezyrski gedacht werden, die mit Ihrem Alter von 76 und 75 Jahren jeden Tag ihr bestimmtes Pensum Arbeit verrichteten."
Als Tag der Einweihung wurde, nach zweimaliger Verschiebung, der Dreifaltigkeitssonntag, 27. Mai 1934, bestimmt. Da Bischof Dr. Bares auf Firmreise war, nahm Generalvikar Prälat Dr. Steinmann die Benediktion vor. Leider war das Wetter an diesem Tage sehr schlecht. - Zum Patron wählte sich die Gemeinde den hl. Hubertus, da die Grenze der Pfarrei Hoppegarten an den großen Waldungen entlanggeht, die sich von Kalkberge über Strausberg bis Tiefensee und Freienwalde erstrecken. - "Die außerkirliche Feier fand am gleichen Tage im Lokal "Zum alten Dessauer", Petershagen, Hennickendorfer Straße (heutige Wilhelm-Pieck-Straße) statt. Leider machte sich dabei die Hitler-Jugend störend bemerkbar."

Pfarrer Bernhard Hering (1934 - 1947)

Für 55.000,- RM waren Kirche und Pfarrhaus, mit Eisenklinkern verblendet, gebaut. Die von der Firma Carl Busch in Berlin-Südende bleiverglasten Fenster in gelben und blauen Farbtönen verliehen dem Kirchenraum einen würdigen, feierlichen Eindruck. Jedoch fehlte noch fast die ganze Inneneinrichtung. 6.000,- RM Bauschulden mussten noch abgetragen werden.
"Nach der Einweihung der Kirche mussten die Arbeiten sofort wieder im vollen Umfang aufgenommen werden, denn schon am Sonntag darauf sollte auf dem Kirchengrundstück die erste Fronleichnamsprozession stattfinden. Vier Altäre mussten gestellt werden und da das Grundstück keinen Baum und keinen Strauch aufweisen kann, musste hier künstlich nachgeholfen werden. 'Berklama' unsere Glocke war gekauft, stand aber ganz müßig oben im Turm. Es fehlte der Glockenstuhl. In einer Versammlung wurden von Mitgliedern 35,- RM gespendet, den Rest hat der Verein zugelegt. Die Arbeiten wurden von den Mitgliedern in den Abendstunden ausgeführt, so dass 'Berklama' eines sonntags ihr Lied erschallen lassen konnte. Nicht besonders schön, dafür aber um so lauter in der Kirche zu hören." Die Glocke war auf einem Schrottplatz gekauft worden. Ihr Name stammt von den Vornamen dreier Frauen, die im Kirchenbau-Sammel-Verein sehr aktiv waren: Bertha Cremer, Klara Geiger, Martha Marquardt.

Pfarrer Bernhard Hering

Per 1. August 1934 wurde Kuratus Bernhard Hering (geb. am 29. Mai 1899 in Berlin, geweiht am 2. März 1924), Kuratus in Strausberg, zum ersten Seelsorger (Kuratus) in Petershagen ernannt. Seinen ersten Gottesdienst hier hielt er am Sonntag, dem 12. August 1934. Seine "endgültige Übersiedlung nach Petershagen verzögerte sich allerdings noch um mehr als einen Monat, da im Pfarrhause noch weder Wasser noch Abortanlage, noch Badeeinrichtung vorhanden war. So wohnte" er "zunächst im Pfarrhaus Hoppegarten während des August. Nach Petershagen siedelte" er "endgültig erst nach dem Sommerurlaub Ende September über." Mit ihm kam seine Mutter, Frau Paula Hering. Seine Schwester, Maria Hering, heiratete bald nach Petershagen und wohnte dann als Frau Schottko in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße. Nach der Einberufung des Organisten Ewald Geiger (1939) war sie Organistin. Sie verzog Ende 1940.
Per 1. Dezember 1934 wurde die seelsorglich selbständige Kuratie Petershagen errichtet. Bezüglich der Vermögensverwaltung blieb die Kuratie im Pfarrverbande mit der Pfarrei Hoppegarten. Die neue Kuratie umfasste die Ortschaften: Petershagen, Fredersdorf, Vogelsdorf, Bruchmühle, Altlandsberg, Krummensee, Wegendorf (von Hoppegarten abgezweigt) und Eggersdorf (von Strausberg abgezweigt). Da Altlandsberg-Stadt, Krummensee und Wegendorf nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen waren, hielt sich Kuratus Hering ein Auto.
Als Kuratus Hering seinen Dienst antrat, hatte die Kirche immerhin die Hälfte der Bänke erhalten.
Kuratus Hering konnte den Religionsunterricht für die Kinder gleich sehr intensivieren. "Die bisherige eine Stunde in der Woche hatte ihnen nur das Notdürftigste an religiösen Kenntnissen geben können."
In Altlandsberg "schenkte 1929 ein Dachdeckermeister Ernst aus Berlin das Haus Berliner Chaussee 11. Durch einen schuppenartigen Anbau wurde hier ein ca. 40 Personen fassender Gottesdienstraum geschaffen. In dieser der Unbefleckten Empfängnis von Lourdes geweihten Notkapelle wurde am 14. Juli 1929 zum ersten Male die hl. Messe gefeiert. - Da das Haus erhebliche Reparaturen erforderte, für die die Kirchkasse kein Geld besaß, wurde es Ende 1934 verkauft. Der Gottesdienstraum wurde uns vom jetzigen Besitzer weiterhin mietweise überlassen. Die Altlandsberger Katholiken waren über diesen Besitzwechsel wenig erbaut und griffen den Kirchenvorstand heftig an. Die Sonntagsgottesdienste in Altlandsberg wurden oft nicht durch Kuratus Hering gehalten, sondern aushilfsweise von Berliner Priestern, im Jahre 1937 auch von einem emeritierten Priester Ernst Krause, der in Neuenhagen wohnte, aber im Herbst wieder eine Pfarrstelle im Ermland erhielt. Mitte 1938 schien der Bau einer eigenen Kapelle greifbar nahe, es gab aber keine Genehmigung durch die staatlichen Stellen. 1941 wurde ein anderer Kapellenraum Berliner Chaussee 4 (jetzt Berliner Allee 33), gemietet und hergerichtet. Ab 1. Dezember 1942 übernahm Kuratus Dr. Bruno Decker auf Dauer die dortige Seelsorge.
Im März 1935 veröffentlichte Kuratus Hering folgende Zahlen:
"Die Seelenzahl unserer Gemeinde beträgt:

in Petershagen418unter5766Einwohnern= 7,25 %
in Fredersdorf243"3437"= 7,07 %
in Eggersdorf149"2440"= 6,11 %
in Vogelsdorf111"1339"= 8,30 %
in Bruchmühle52"893"= 5,82 %
in Altlandsberg290"4627"= 6,27 %
in Wegendorf13"381"= 3,41 %
in Krummensee11"348"= 3,16 %
insgesamt1287"19231"= 6,69 %

In den Jahren bis zum Kriegsbeginn konnte viel innere und äußere Aufbauarbeit geleistet werden. Die Gemeinde wurde in 27 Bezirke aufgeteilt mit je einem Obmann, "dem als erste Aufgabe die Werbung für das Kirchenblatt zugewiesen wurde. So konnten wir die Umsatzziffer des Blattes von 40 auf 235 Exemplare pro Sonntag steigern. Außerdem werden an je einem Sonntag im Monat noch 225 Exemplare gratis verteilt." Die Bezirksobleute sollen darüber hinaus "alle Katholiken ihres Bezirkes persönlich kennenzulernen trachten."

Nikolausfeier der Jugend im Pfarrheim 1935

Im Jahre 1939 konnten folgende Aktivitäten in der Gemeinde genannt werden: Pfarr-Caritas-Ausschuss (Geschäftsführer: Herr Massino); Bezirksobleute des Laienapostolates; Gemeinschaften der Männer, der Frauen, der Jungen und Jungmänner, der Mädchen, der Schulkinder; Gemeinschaften der Pfarrfamilie als Zusammenfassung der vorher genannten Gemeinschaften; Bonifatiusverein, das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung, das Werk der hl. Kindheit in Deutschland, die Missionsvereinigung katholischer Frauen und Jungfrauen, das Frauenhilfswerk für Priesterberufe. Das Jugendwerk (zur Unterstützung der Jugendseelsorge in der Gemeinde) und der Caritasverband hatten Mitglieder bzw. Spender. Es gab einen Schriftenstand und eine Pfarrbücherei. - Der Kirchbau-Sammel-Verein löste sich Anfang 1938 auf. - Leider war es nicht zu einer ersprießlichen Zusammenarbeit mit dem neuen Seelsorger gekommen. - Es wurden bei vielen Gelegenheiten Laienspiele aufgeführt. -
"Eine starke Belastung für die Kirchkasse Hoppegarten bedeutete die Neudeckung des Pfarrhauses, dessen gesamtes Dach durch einen gewaltigen Sturm in der Nacht vom 16. zum 17. Februar (1935) abgedeckt worden war. Die Wiederherstellung dauerte drei Wochen. Das war nicht angenehm, zumal es in dieser Zeit wiederholt regnete und auch durchregnete." Zu den Sturmschäden gehörten u.a., dass der Kopf des Schornsteines zwischen dem Arbeits- und dem Schlafzimmer des Pfarrers gelockert und etwas verdreht wurde; er hätte in die Pfarrwohnung stürzen können.
"Eine Befreiung von der drückenden Last der Kirchbauschulden erfuhren wir (1937) durch ein Darlehen des Bonifatiusvereins - Diözese Berlin - in Höhe von 4.000,- M. Hierdurch werden wir in den Stand gesetzt, die Restschuld abzutragen und 1.500,- M an aufgelaufenen Zinsen erlassen zu bekommen. Das Zinslose Darlehen ist mit 600,- M jährlich zurückzuzahlen." Anscheinend 1937 wurden die letzten beiden Kirchbänke angeschafft.
Am Passionssonntag 1938 "erfolgte die kanonische Errichtung unseres neuen Kreuzweges. Er ist eine Schöpfung des jungen Berliner Künstlers Rudolf Heltzel in einer hierfür wohl noch kaum angewandten Technik: Intarsien." Die 14 Stationen kosteten zusammen 700,- M. "Für die Taufkapelle schenkte der gleiche Künstler eine Statur Johannes des Täufers." Ebenfalls 1938 wurde der Windfang eingebaut (worüber der Architekt sehr unzufrieden war) und ein Drahtzaun um das Grundstück errichtet. Dieser Drahtzaun kostete 600,- M.
Anlässlich des 5. Jahrestages der Benediktion der Kirche kam Bischof Konrad Graf von Preysing am Pfingstsonntag, dem 28. Mai 1939, nach Petershagen und firmte 72 Gemeindemitglieder. "Sein äußeres Zeichen fand dieses Ereignis in der Errichtung eines handgeschnitzten Wegkreuzes (Künstler: Rudolf Heltzel) durch die Jugend der Gemeinde und aus ihren Mitteln an der Ecke der Elbe- und Lucasstraße." Dieses Kreuz wurde im Oktober "geschändet. Ein unbekannter Täter riss des Corpus die Arme ab." Die beiden Arme wurden in einem Briefkasten in der Havelstraße gefunden und konnten wieder angefügt werden.
Inzwischen hatte, am 1. September 1939, der Zweite Weltkrieg begonnen. Es gab bald viele Schwierigkeiten. Immerhin konnten 1939/40 noch große Teile der Außenwände neu verfugt werden. "Es waren nämlich die Wände im Innern völlig nass geworden. Ein Verantwortlicher für diese ungeheuerlichen Schäden ließ sich leider nicht haftbar machen. Die Kosten trug der Bonifatiusverein. Sie betrugen insgesamt rd. 1.500,- M." Die Schäden kamen daher, dass beim Bau von Kirche und Pfarrhaus aus finanziellen Gründen das Gebäude nicht verfugt worden war. Ebenfalls wurden 1939/40 noch Sträucher, sechs Rotdornbäume und 24 Pappeln gepflanzt. 1941 wurde der Beichtstuhl angeschafft, 1942 ein Motorrad. Der Bonifatiusverein stiftete 1943 (für 1.800,- M) eine holzgeschnitzte Madonna, ein Werk des Bildhauers Josef Dorls/Berlin: "Madonna mit der Friedenstaube". Ein Taufstein wurde aufgestellt und der Kirchenvorplatz mit Fliesen belegt. "Mit dem Ende des Jahres (1943) ist nunmehr auch unsere Kirchbauschuld getilgt, so dass wir nun endlich die Hände frei haben zum weiteren Ausbau und weiterer Ausstattung unseres Gotteshauses. Wir hoffen, dass ein baldiger guter Friede uns hierzu Gelegenheit geben wird. Wir denken außer an die Anschaffung einer Orgel an die Vollendung der Kirche durch den Anbau einer Apsis in Verbindung mit einer Küsterwohnung und einem neuen Pfarrheim, und endlich an Glockenturm und Geläut." - Ein "Bau- und Orgelfonds" schwoll bis Ende 1944 auf 20.500,- M an. Es gab Geld, man konnte aber nichts dafür anschaffen. Das ganze Geld "fror" 1945 "ein".
Die Diktatur des "Dritten Reiches" und im besonderen der Krieg machten sich für die Gemeinde wie folgt bemerkbar:
Gottesdienste wurden oft überwacht. Z.B. wies der Amtsvorsteher in Fredersdorf als Ortspolizeibehörde einen Polizisten am 10.8.1935 schriftlich an, "den Gottesdienst in der katholischen Kirche in Petershagen am 11.8.35 zu überwachen. Bericht bis Montag, dem 13.8.35 (müsste wohl heißen: 12. E.D.) vormittags 9 Uhr. gez. Unterschrift. - Petershagen, den 12. August 1935. Der Hauptgottesdienst in der hiesigen katholischen Kirche am 11.8.35 um 9 Uhr 30 wurde von mir überwacht. Zur Verlesung gelangte ein Hirtenbrief des Kapitularvikars Schreibermann (gemeint ist: Steinmann. E.D.) vom Ordinariat Berlin. Der Hirtenbrief war rein kirchlichen Inhalts' Irgendwelche Äußerungen, die sich auf den Staat oder auf die Politik bezogen, wurden nicht getan. gez. Unterschrift, Gend. Hauptwachtmeister." Der Gend.-Postenbereich Eggersdorf meldete am 7.10.35 schriftlich "An den Herrn Amtvorsteher in Fredersdorf. Zu Fernspruch-Stapo-Potsdam, v. 5.10.35. Am Erntedankfeste, d. 6.10.35, 12.15 Uhr, stellte ich fest, dass die kath. Kirche in Petershagen, Lukasstr., nicht beflaggt war. Kurator H e r i n g, Petershagen, über den Grund befragt, gab an, dass er eine Reichs- und Nationalflagge nicht besitzt und eine solche erst beschaffen müsste. gez. Unterschrift Gend. Hptwachtm." - Fronleichnamsprozessionen wurden von Beamten in zivil überwacht, die u.a. die geschätzte Teilnehmerzahl schriftlich meldeten, z.B. 1944: ca. 250 Personen.
Im September 1938 wurde das Kirchenblatt des Bistums verboten.
Im Februar 1939 wurde der katholische Jungmänner-Verband verboten.
Wegen der Verdunkelungspflicht konnte ab 1939 keine Christnacht gehalten werden, erst 1942 konnte eine Verdunkelungseinrichtung (Papier-Rollos) für die ganze Kirche angebracht werden.
"Das Jahr 1940 war ein Jahr rechter Schwierigkeiten, die zum größten Teil eine Folge des Krieges waren. Nicht nur dass sich der Mangel an Männern und Jungmännern in Gottesdienst und pfarrlichem Leben bemerkbar machte, auch die Frauen und Mädchen wurden bald in immer steigendem Maß zur Arbeit eingesetzt, so dass auch sie oft genug für eine intensive Mitarbeit in der Gemeinde kaum noch Zeit und Kraft aufbringen konnten. - In den Wintermonaten kam dazu die große Kälte (bis zu -25°C) bei ungenügender Versorgung der Kirche mit Feuerung, so dass der Gottesdienst oftmals auf das Mindestmaß eingeschränkt werden musste. - Die Seelsorge draußen wurde recht behindert durch die Stilllegung des Autos. Ich musste nun alle Wege mit dem Fahrrad machen und manches musste gänzlich liegen bleiben", schrieb Kuratus Hering.
"Im Dezember 1940 wurde staatlicherseits jeder Vertrieb von Schriften in nicht gewerblichen Räumen untersagt. Damit wurden nicht nur unsere regelmäßigen Bücherausstellungen, sondern auch der Schriftenstand und jeglicher andere Bücher- und Schriftenvertrieb unmöglich. - Wenig später mussten auf eine weitere staatliche Anordnung hin aus der Pfarrbücherei alle Bücher nicht religiösen Inhalts entfernt werden." - An Tagen nach nächtlichem Fliegeralarm, wenn dieser bis über 24 Uhr hinaus andauerte, durfte der Gottesdienst nicht vor 10 Uhr beginnen. Hierdurch wurde die Gottesdienstordnung recht behindert. - Schon 1939 war angeordnet worden: "Die Kirchenglocken schweigen: In der Zeit von 18 bis 8 Uhr, bei Taufen, bei Trauungen." - Das Pfarramt hatte noch 1942 kein Telefon. Für dringende Versehgänge musste Herr Kuratus Hering an das Pfarramt Hoppegarten verweisen, das Telefon hatte.
Am 2. September 1942 verstarb in Hoppegarten Pfarrer Joseph Siebner im 63. Lebensjahr. Als Nachfolger wurde im Oktober Pfarrer Josef Hundertmark (vorher Gransee) ernannt.
"Vom Fest Christi Himmelfahrt (1942) an durften die gebotenen Feiertage, die auf einen Werktag fallen und gemäß staatlicher Anordnung während des Krieges nicht durch Vormittags-Gottesdienste begangen werden dürfen, durch Abendmessen gefeiert werden." 1943 wurden dann für Christi Himmelfahrt und Fronleichnam Abendmessen, die über gewöhnliche Werktagsgottesdienste hinausgingen, staatlicherseits verboten. Im letzten Vierteljahr 1943 "waren die Abendmessen ständig durch Fliegeralarm bedroht, so dass sie mehrfach ausfallen mussten. Einmal erfolgte Fliegeralarm sogar während des Hochamtes, so dass wir dasselbe abbrechen mussten."
"Kirchliches Schrifttum gab es in diesem Jahre (1943) für die Laien überhaupt nicht mehr, auch keine Religionsbücher für die Kinder." Die Kinder bekamen Religionslehrbücher geliehen. "Ein Teil unserer Messinggeräte (Leuchter usw.) musste für Rüstungszwecke abgegeben werden."
"Das alles betraf jedoch nur die äußere Entwicklung. Gottesdienstbesuch und Sakramentenempfang nahmen trotz der immer zahlreicher werdenden Einberufungen auch der jüngsten (17-jährigen) und ältesten Jahrgänge (bis zu 50 Jahren) sowohl der Männer wie der Frauen, sei es zu Heeresdienst, sei es zu Kriegs-Hilfsdiensten, nicht ab." 1944 wurden dann "alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum Dienst herangezogen, sei es in der eigentlichen Wehrmacht, sei es im Volkssturm." - "Von eigentlich Luftangriffen wurde in diesem Jahr unsere Gemeinde nicht betroffen."
Die stärkste Behinderung des Gemeindelebens war dadurch gegeben, dass Kuratus Hering wegen bestimmter Äußerungen im Briefwechsel mit Soldaten vom 7. November 1940 bis zum 28. August 1941 in Potsdam und Berlin in Untersuchungshaft war. "Dieser Briefwechsel war dadurch in die Hände der Nazis gefallen, dass ein Mädchen meiner Pfarrjugend davon in ihrem Berliner Büro Maschinenabschriften anfertigte. Der Abteilungschef, ein engagierter Nazi, war dazugekommen. Das Weitere ergab sich mit Notwendigkeit." Nur knapp entging Kuratus Hering einer gerichtlichen Verurteilung oder einer Überführung in ein Konzentrationslager. - Zwei Tage nach seiner Entlassung verstarb seine Mutter. - Religionsunterricht durfte er von nun an in den Schulen nicht mehr erteilen.
Während der Abwesenheit von Kuratus Hering wurde die Seelsorge zunächst durch Dominikanerpatres aus Berlin-Moabit ausgeübt, ab 1. Mai 1941 wirkte als ständig anwesender Administrator Bernhard Hack (geb. am 4.11.1905 in Berlin, geweiht am 1.4.1933, verst. am 22.11.1983), bis dahin Subregens des aufgehobenen Priesterseminars der Diözese.
"Am 21. April (1945) brauste die Kriegsfurie über uns hinweg. In Eggersdorf und Altlandsberg waren viele Häuser zerstört oder wenigstens beschädigt." In Petershagen, Fredersdorf, Vogelsdorf und Bruchmühle kam es nicht zu eigentlichen Kämpfen. Die Häuser blieben zwar zum größten Teil äußerlich unversehrt, dafür wurden aber zahllose Wohnungen ausgeplündert. "Auch einige Todesopfer waren zu beklagen, aus unserer Kirchengemeinde jedoch nur ein einziges. Kirche und Pfarrhaus blieben völlig unberührt. Nichts war zerstört, nichts beschädigt, nichts entwendet! Es war wie ein Wunder! Während in der ganzen Umgegend die Kirchen schwer gelitten hatten, fehlte bei uns nicht einmal eine Kerze!"
1945 "konnten wir auch die Fronleichnamsprozession bereits wieder in aller Öffentlichkeit durchführen. Eine besondere Note erhielt dieselbe durch die Teilnahme einer großen Zahl ehemaliger französischer Kriegsgefangener, die auf dem Rücktransport in ihre Heimat hier einige Tage Halt machen mussten. Unter ihnen befanden sich auch eine ganze Reihe von Priestern, die mit ihren Kameraden am Nachmittag des Fronleichnams-Sonntages unser Gotteshaus zu einer Andacht füllten. Wir erhielten von diesen unseren französischen Brüdern in Christus den allerbesten Eindruck; es war zwischen ihnen und uns eine wirkliche, ja herzliche Gemeinschaft zu verspüren."
"Unsägliches Elend zog an uns vorbei und forderte unsere Hilfe. Doch die Not war zu groß, als dass eine wirkliche wirksame und umfassende Hilfsaktion möglich gewesen wäre. Mach einen sahen wir am Straßenrand sterben."
"Vom Mai bis November erhielten wir an Lebensmitteln nur 125 - 200g Brot und etwa 300g Kartoffeln pro Tag; das war buchstäblich alles! Kein Gramm Fett, kein Fleisch, keine Nährmittel! Es war schier zum Verzweifeln!" "Außer ein wenig Holz war kein Heizmaterial aufzutreiben." - So sind im Totenregister der Kirchengemeinde für 1945 46 Beerdigungen verzeichnet, gegenüber 7 für 1944 und 21 für 1946.
"Die Zahl der Gefallenen aus unserer Gemeinde, deren Angehörige uns davon Mitteilung machten, erhöhte sich (Ende 1946) auf 15. Die Zahl der amtlich als vermisst gemeldeten beträgt z.Zt. noch 4; die der Verschollenen 2; in Kriegsgefangenschaft befinden sich noch 5."
"Nach Wiedereröffnung des Postverkehrs mit Briefen bis zu 500g sandten wir an Verwandte, Bekannte und Freunde in West- und Süddeutschland etwa 100 Bittschreiben. Daraufhin begannen ab März (1946) Pfundpäckchen mit Lebensmitteln in steigender Anzahl bei uns einzulaufen. Den Höhepunkt erreichten diese Sendungen im Juli mit der Rekordzahl von 1.024 Stück. Insgesamt gelangten bis zum Ende des Jahres an das Pfarramt 5.415 Päckchen. Etwa ebenso viel dürften es gewesen sein, die einzelnen Gemeindegliedern auf unsere Veranlassung direkt zugingen."
"Das 1. Vierteljahr 1947 brachte uns den seit Menschengedenken strengsten Winter. Und das bei unserer ausgemergelten, halbverhungerten und mit keinerlei Brennmaterial versehenen Bevölkerung. Es war furchtbar! Der Erfolg: es steht fast kein Straßenbaum mehr, der wenige Wald ist stark gelichtet und die Schäden an Gesundheit und Leben sind kaum abzuschätzen. Einige Personen sind auch erfroren, fast alle haben Frostschäden davongetragen und die Schäden an Wasserleitung, Kanalisation, Gebäuden und Pflanzungen sind unabsehbar. Der Gottesdienst war in diesen Monaten natürlich sehr schwach besucht, doch konnten Kinderseelsorgsstunden und Gemeinschaften einigermaßen durchgehalten werden." -
Im April 1947 ging Pfarrer Hering in die Benediktiner-Abtei Ettal. Er trat aber nicht dort ein, sondern kehrte noch im Laufe des Jahres in den Dienst der Diözese Berlin zurück. Er starb am 9. November 1955 als Pfarrer von St. Wilhelm/Berlin-Spandau. - Den Titel "Pfarrer" hatte er schon am 23.12.1935 erhalten, wurde hier aber stets "Kuratus Hering" genannt. - Hausangestellte bzw. (nach dem Tod der Mutter) Haushälterin waren z.Z. von Herrn Pfarrer Hering: Frl. Rosel Kleiner (von 1934 bis 1936), Frl. Agnes Heinze (von ca. 1936 bis 1940), Frl. Elisabeth Steinemann (von 1940 bis 1941 oder 1942) und Frau Anna Schultze, immer genannt Tante Anna (von ca. 1942 bis zum Ende seiner Tätigkeit hier).

Die Pfarrer Paul Bartsch (1947/48) und Eduard Heurich (1948 - 1954)

Pfarrer Paul Bartsch

Nachfolger von Pfarrer Hering bis Januar 1948 wurde Pfarrer Paul Bartsch (geb. am 31. März 1901 in Borek Prov. Posen, geweiht am 15. Februar 1925), vorher St. Nikolaus / Berlin. Pfarrer Bartsch war während des Krieges mehrmals wegen Aktivitäten in der Polenseelsorge verhaftet worden und hatte fast zwei Jahre in Gefängnissen und im Konzentrationslager Dachau verbracht. Er führte die Seelsorge mit den dazugehörigen "zeitlichen" Aufgaben in Petershagen mit großem Elan weiter. Bei der Rückkehr von Pfarrer Hering in das Bistum gab es Bestrebungen, dass er wieder Pfarrer von Petershagen würde. Das führte zu solchen Schwierigkeiten, dass Pfarrer Bartsch im Januar 1948 nach Gransee ging. Dort wurde er am 24. März 1950 auf einer Seelsorgsfahrt ermordet und beraubt.

Vom 15. Januar 1948 bis zum 15. September 1954 wirkte als Kuratus in Petershagen Pfarrer Eduard Heurich (geb. am 13. März 1908 in Salzschlirf Kr. Fulda, geweiht am 1. April 1933), bis dahin Kaplan in Prenzlau. Seine Haushälterin war Fräulein Emma Wohkittel. In seiner Zeit war die größte Seelenzahl der Gemeinde zu verzeichnen, nämlich im Jahre 1948 2.050. Seit Ende 1944 bedeutete das einen Zugang von ca. 700 Gläubigen im wesentlichen aus dem Osten. Da diese Gläubigen durch die Flucht ohne jegliches Vermögen hier ankamen, musste ihnen als ersten geholfen werden. Dies musste auch den Gläubigen aus Petershagen erst nahegebracht werden. So gingen diesen neuen Gemeindemitgliedern z.B. die Pfundpäckchen zu. Der Vinzenz-Verein wurde vom Pfarrer aktiviert und die vielen Flüchtlingsmänner fanden hier ihre Betätigung, Gemeindefeste, Kinderwallfahrten (nach Hoppegarten) und Kinderfeste auf dem Grundstücke Gutenbergstraße (Eigentum der St. Hedwigsgemeinde) förderten das Leben in der Pfarrfamilie. Alle seelsorglichen Aufgaben hatte Pfarrer Heurich allein zu bewältigen, für Fahrten stand ihm nur ein Fahrrad mit Hilfsmotor zur Verfügung. - Zusätzlich zu drei Sonntags-Gottesdiensten in Petershagen hielt Pfarrer Heurich etwa einmal im Monat noch einen Nachmittagsgottesdienst und dann und wann auch Abendandachten, in der Woche in der Werkstatt des Herrn Peter Volk in Vogelsdorf.
Am 2. Oktober 1953 verstarb Herr Reinhard Marquardt im Alter von 59 Jahren. Er wurde in der Kirche aufgebahrt und in Petershagen beigesetzt.
In der Arbeitszeit von Pfarrer Heurich "wurde Petershagen mit Wirkung vom 1. August 1954 zu einer vermögensrechtlich selbstständigen Kuratie erhoben und der erste Kirchenvorstand am 12. September 1954 gewählt." Der Kirchenvorstand wählte im Oktober 1954 Herrn Friedrich Rodat zu seinem stellvertretenden Vorsitzenden und Frau Helena Gierszewski zur Rendantin.
"Im letzten Jahr seiner Tätigkeit in Petershagen bereitete Pfarrer Heurich eine Volksmission vor, die dann vom 19. September bis 10. Oktober 1954 unter seinbem Nachfolger von Pater Gottwald und Pater Fritscher CSSR gehalten wurde."
Im September 1954 wurde Pfarrer Heurich zum Pfarrer von Eberswalde ernannt. - Er verstarb am 1. Mai 1964.

Pfarrer Theodor Schmitz (1954 - 1962)

Pfarrer Theodor Schmitz

Zu seinem Nachfolger wurde Pfarrer Theodor Schmitz bestellt (geb. am 24. September 1916 in Essen, geweiht am 26. Oktober 1941), vorher Domvikar und Bischöflicher Sekretär. Die Einführung des neuen Pfarrers erfolgte durch den Erzpriester Msgr. Felix Hasse am Sonntag dem 19. September 1954 in einer Nachmittagsandacht. - Seine Haushälterin war Frl. Agnes Wojtacki.
1955 wurde die Kirche renoviert. "Da die ärgsten Wasserschäden seit Jahren immer an der Altarwand der Kirche aufgetreten waren (Westseite!), entschloss sich der Kirchenvorstand nach Rücksprache mit dem Architekten Zeh, in 5 cm Abstand von der Mauer eine Halbsteinwand aus Hohlsteinen zu errichten." Bei dieser Gelegenheit verschwanden die hinter dem damaligen Altar aufragenden sieben "Pfeiler". Die Spuren der Verdunkelungseinrichtungen wurden beseitigt und über der Empore eine Lüftungsklappe angebracht. Die Kirche wurde in hellen Farben ausgemalt, die Decke etwas heller als die Seitenwände.
"Die Begrenzungsmauern der großen Freitreppe zum Kirchenvorplatz waren durch Frostschäden rissig geworden und drohten einzustürzen. Sie wurden im Sommer 1955 neu errichtet; dabei wurden auch die vom Kunstschmiedemeister Friedrich Schrandt in Petershagen geschaffenen Lampen aufgestellt."
Küster war seit Gründung der Gemeinde Herr Paul Geiger aus Fredersdorf. Er wurde 1955 84 Jahre alt, und seine Tätigkeit übernahm am 1. Oktober 1955 Herr Heinz Kubon, ebenfalls aus Fredersdorf. Gleichzeitig wurde dessen Frau Edith als Kirchendienerin angestellt.
Vom 6. März 1955 ab durfte an jedem zweiten Sonntag bzw. Feiertag um 8.30 Uhr in der evangelischen Kirche Fredersdorf katholischer Gottesdienst gehalten werden. Das "ist für den südlich der Bahn gelegenen Teil Fredersdorf und für Vogelsdorf sicher die beste Lösung bis zur Ermöglichung der Errichtung einer eigenen Kapelle auf dem Grundstück in Vogelsdorf, das wir 1956 erwerben konnten und das genau in der Mitte der Südhälfte der Pfarrei liegt. - Bis zur Abtretung von Eggersdorf an die Pfarrei Strausberg im April 1956 wurde jeweils an dem anderen Sonntag um 8.30 Uhr in der evangelischen Kirche in Eggerdorf von mir Gottesdienst gehalten."
Nach der Kirchenvorstandswahl am 15.4.1956 wurde Herr Friedrich Rodat zum stellvertretenden Vorsitzenden wiedergewählt.
1956 mussten neue Fahrradständer geschaffen werden. "Wir entschlossen uns für ein Betonband entlang der Südwand der Kirche, das 48 Fahrräder aufnehmen konnte. Dadurch war auch die Möglichkeit der Entfernung des hässlichen Holzdaches gegeben, das höchstens Fahrrädern Schutz bieten konnte, aber die schönen architektonischen Linien unserer Kirche außerordentlich störte."
Als Organisten dienten in der Zeit von Herrn Pfarrer Schmitz Fräulein Erika Koschel, Fräulein Gertrud Kukulenz, Herr Ewald Geiger und Fräulein Gabriele Jereczek.

Wappen Petershagen

"Um für den Schmuck der übergroßen Altarwand etwas mehr Abwechslungsmöglichkeiten zu schaffen, gab ich zu den vorhandenen vier 'Fahnen' zwei neue in Auftrag. Auf einer sollte der Kirchenpatron, der hl. Hubertus, dargestellt sein, auf der anderen der hl. Petrus, der Petershagen den Namen gegeben hatte und dem bedauerlicherweise die Erbauer unserer Kirche das neue Gotteshaus nicht geweiht hatten, obwohl das vorreformatorische ihm geweiht war und im Wappen von Petershagen heute noch der Schlüssel zu finden ist (s. Feuerwehrhaus in der Eggersdorfer Str. (und Rathaus. E.D.)). Die beiden Fahnen wurden von dem Graphiker Wolfgang Parschau aus Eggersdorf-Süd, einem Mitglied der Gemeinde, hergestellt und zur Freude der Gläubigen am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus im Jahre 1957 enthüllt."
Im Jahre 1957 reifte "der Plan zur Anschaffung eines Geläuts von drei Glocken. Wegen der schlechten Erfahrungen, die unsere Kirchengemeinden in zwei Kriegen mit Bronzeglocken gemacht hatten, konnte ich mich nicht entschließen, um Bronze bemüht zu sein, und ließ von der Firma Schilling" u. Lattermann / Apolda "drei Stahlglocken gießen, die schon Anfang Februar 1958 geliefert wurden." Die Glocken haben die Töne h' - d'' - e'', den Beginn des Te Deum. "Die größte Glocke, die Christusglocke, ist geschmückt mit dem Christuszeichen und trägt die Inschrift: 'Christus ist unser Friede', die zweite, die Petrusglocke, trägt die gekreuzten Schlüssel und das Wort: 'Du bist Petrus, der Fels', die dritte, die Marienglocke, das Marienzeichen und die Worte: 'Heilige Maria, bitte für uns.'" Die Glocken kosteten lt. Vertrag 2.730,- DM. Sie "wurden am Sonntag Laetare, dem 16. März 1958, durch Herrn Prälaten Drews benediziert und erfreuten schon am nächsten Sonntag die Gläubigen durch ihr schönes Geläut. Im Juni 1958 konnten dann noch die Läutemaschinen installiert werden - eine Geschenk des hochwürdigen Herrn Bischofs Dr. Julius Döpfner - , bald darauf auch eine Schaltuhr, so dass seit dem Sommer 1958 dreimal täglich die Marienglocke zum Engel des herrn ruft." - Die bisherige Glocke wurde später an das Vorseminar Schöneiche abgegeben.
"Ein großer Tag für unsere Gemeinde war das Katholikentreffen am 18. Mai 1958", (Sonntag nach Christi Himmelfahrt) "an dem sich die neun im jetzigen Archipresbyterat Strausberg zusammengeschlossenen Gemeinden beteiligten. Bischof Dr. Julius Döpfner wollte Pontifikalamt und Predigt halten, erhielt aber keine Einreisegenehmigung in die DDR mehr, so dass er unsere Gemeinde leider niemals kennenlernen konnte. - Pfarrer Radtke aus Weißensee übernahm freundlicherweise die Predigt am Vormittag, am Nachmittag sprach Pfarrer Otto Groß."
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1958 wurde das Dekanat Strausberg errichtet. Dazu wurden neun Gemeinden aus dem Dekanat Frankfurt (Oder) ausgegliedert. Erzpriester wurde Pfarrer Schmitz. Er blieb es bis zum 14. November 1961.
Zu der Kirchenvorstandswahl am 5. Oktober 1958 kandidierte Herr Rodat nicht mehr. Er verstarb am 18. November 1959 im Alter von 81 Jahren. - Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden wurde Herr Josef Suchomski / Fredersdorf gewählt.
"Zum 25jährigen Jubiläum unserer Kirche machte ich am Dreifaltigkeitsfest 1959 den Gläubigen den Vorschlag, unserem Gotteshaus eine Orgel zu schenken. Da der erste Opfergang am Fronleichnamssonntag mehr als 5.000,- DM erbrachte und auch sonst zahlreiche Spenden einkamen, konnte mit der Firma Schuke in Potsdam ein Bauvertrag über eine Orgel mit 16 Registern abgeschlossen werden. 1961 sollte die Bauzeichnung für das Gehäuse geliefert werden, für Herbst 1962 war der Einbau der Orgel vorgesehen." Der durch die Aufstellung der Orgel notwendig werdende neue Einstieg in den Turm wurde alsbald fertiggestellt, ebenso traf der Winderzeuger - ebenfalls ein Geschenk des Bischofs - ein, und eine verschließbare Tür zur Orgelempore wurde angebracht, die nach einer Zeichnung von Herrn Wolfgang Parschau von Kunstschmiedemeister Friedrich Schrandt geschaffen worden war.
"Altentag und Weihnachtsbescherung wurden von den Caritas-Helferinnen vorbereitet und durchgeführt." Sie arbeiteten unter der Leitung von Frau Martha Marquardt. - Die Vinzenz-Konferenz hörte zu bestehen auf.
Der Kreis Junger Familie wurde nach einiger Zeit der Krise geteilt in einen Elternkreis für Ehepaare mit schulpflichtigen Kindern und einen neuen Kreis Junger Familie.
Pfarrer Schmitz konnte 23 Konvertiten in die Kirche aufnehmen.
Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen "war im Erscheinungsbild in den acht Jahren manchem Wandel unterworfen, durch die Helfer und Helferinnen, die ich hatte oder auch nicht hatte, durch den Verlust des Schulunterrichts und vor allem durch die ständig geringer werdende Zahl der Kinder und Jugendlichen! Im Schuljahr 1954/55 hatte ich allein in der 8. Klasse 28 Schüler und Schülerinnen, und Glaubensstunde und Singekreise vereinten häufig 40 und mehr Jugendliche im Pfarrheim. - Gleich im Herbst 1954 richtete ich den Religionsunterricht in der Schule wieder ein, der in der für die Kirche schwierigen Zeit des Jahres 1952/53 verlorengegangen war. Es handelte sich jeweils um eine Stunde für die 1. - 3. Klasse und eine für die 4. - 8. Klasse in den vier Schulen von Petershagen, Eggersdorf und Fredersdorf, zu Anfang außerdem noch um eine Stunde in Alt-Vogelsdorf, die sich später wegen des Fehlens katholischer Kinder erübrigte. Außerdem erhielt jedes Kind noch eine zweite Unterrichtsstunde im Pfarrheim, aufgeteilt nach Altersstufen und bei der großen Zahl der Kinder in den ersten Jahren teilweise auch noch nach Jungen und Mädchen getrennt." In den Schulen wurden praktisch alle katholischen Kinder erreicht. "Ich habe es deshalb sehr bedauert, dass ich im Frühjahr 1958 aus den Schulen verdrängt wurde, beginnend mit der neuen Schule in Petershagen." - In den ersten Jahren hielt Pfarrer Schmitz alle Religionsstunden allein, etwa 15 - 16 pro Woche. Ab Mai 1957 hielt Frau Barbara Kliegel / Petershagen den Unterricht für die 1. und 2. Klasse und übernahm auch die "Frohe Herrgottstunde" für die vorschulpflichtigen Kinder, zunächst mit einer Stunde am Nachmittag, bald jedoch mit zwei Stunden am Vormittag.
Im Mai 1961 wurde eine Seelsorgehelferin angestellt: Fräulein Gertrud Mücke aus Zossen, die gerade ihre Ausbildung in Magdeburg beendet hatte. Sie bewohnte ein Zimmer in Petershagen, Rheinstr. 14.
Große Verdienste um die Jugend der Gemeinde hat sich Norbert Hoffman erworben. Er war ein aktiver Gruppenführer. Er hat mehrfach schöne Ferienfahrten vorbereitet und durchgeführt und auch immer wieder mit zäher Energie die Jugend zum Laienspiel gebracht.
Im Sommer 1961 wurde im Pfarrheim Parkettboden verlegt, im Frühjahr 1962 konnte eine seit langem geplante Entlüftungsanlage in der Kirche in Betrieb genommen werden.
Viel Zeit wandte Pfarrer Schmitz für Hausbesuche auf. "Es werden nur wenige Sonntage in den acht Jahren sein, an denen ich nachmittags nicht meine zwei bis vier Hausbesuche gemacht habe. Im Sommer, wenn die Tage lang waren, bin ich oft noch nach dem Unterricht zu einem Hausbesuch gefahren, sonst habe ich in der Woche dafür vor allem die unterrichtsfreien Zeiten benutzt."
Seit Herbst 1961 entstand unter der Leitung von Herrn Koch eine Bläsergruppe, die zum ersten Mal Ostern 1962 den Gemeindegesang begleitete.
Am 16. August 1961 wurde der bisherige Weihbischof Dr. Alfred Bengsch mit Sitz in Berlin-Weißensee als Nachfolger von Kardinal Döpfner zum Bischof von Berlin ernannt. Die Ereignisse des 13. August 1961 brachten die Notwendigkeit mit sich, die Verwaltung für den Ostteil des Bistums wesentlich auszubauen. So wurde Pfarrer Schmitz am 21. August 1961 zum Ordinariatsrat und am 11. September 1961 zum Vizeoffizial ernannt. Fürdie seelsorgliche Arbeit wurde Johannes Ruhl (geb. am 2. Juni 1926 in Berlin, geweiht am 27. Dezember 1958) zum Kaplan in Petershagen ernannt mit Wirkung vom 1. September 1961; er wohnte im elterlichen Hause in Fredersdorf-Nord. - Am Sonntag, dem 21. August 1962 feierte Pfarrer Schmitz zum letzten Mal das hl. Opfer mit der Gemeinde - und räumte am 21. August das Pfarrhaus. "Am Nachmittag des 26. August fand bei herrlichem Wetter und unter großer Beteiligung der Gemeinde auf unserem Spielplatz eine schöne Abschiedsfeier für mich statt, die von Herrn Kaplan und den anderen getreuen Helfern und Helferinnen mit viel Liebe und Mühewaltung vorbereitet war und mir etwas über den Abschiedsschmerz hinweghalf."

Pfarrer Johannes Aßmann (1962 - 1982)

Pfarrer Johannes Aßmann

Zum neuen Pfarrer von Petershagen wurde Johannes Aßmann / Buckow ernannt (geb. am 6. Mai 1909 in Deutsch Wartenberg / Niederschlesien, geweiht am 28. Januar 1934, seit November 1961 Erzpriester des Dekanates Strausberg). Kaplan Ruhl wurde zum 1. September 1962 nach Stralsund versetzt.
"Am Sonntag, dem 2. September 1962 erfolgte die Investitur des neuen Pfarrers durch Ordinariatsrat Otto Groetschel um 16 Uhr. Vor der Kirchentür sprachen Herr Suchomski als Stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes und Herr Norbert Hoffmann für die Jugend Begrüßungsworte. Am 12.9. konnte bereits der erste Convent des Dekanates im Pfarrhaus gehalten werden.
Am 20.9. trat zum 1. Mai ein Pfarrausschuß zusammen. Es wurde versucht, eine Bilanz in der Seelsorgsarbeit der Pfarrei zu ziehen. Beschlossen wurde wegen Raummangels eine Baracke zu bauen. Tatsächlich wurde die Aufstellgenehmigung der Gemeindeverwaltung erreicht. Am 21. November 1962 begannen die ersten Arbeiten. Aber am 22.11. begann der Schneefall und es kam ein schneereicher und harter Winter, so dass für dieses Jahr jede Mühe um das Fundament aufgegeben werden musste.
Fast ein Viertel der Gemeinde steht im Rentenalter. Am 4. Oktober wurde zur ersten 'Rentnermesse' mit anschließendem Zusammensein im Pfarrheim eingeladen. Zuerst am Donnerstag, dann an jedem Dienstag um 8.30 Uhr kamen stets auch bei schlechtem Wetter gegen 50 Leute.
Das seit einigen Jahren bestehende 'Kath. Bildungswerk im Dekanat Strausberg' veranstaltete am Sonntag, dem 14. Oktober 1962, in unserer Kirche eine Eröffnungsfeier für die Vorträge des Wintersemesters 1962/63 mit einer Predigt des Pater Gordian O.P. aus Leipzig: 'Erneuerung des christlichen Lebens, das zweite Konzilsthema.' Am 11.10. war das Konzil feierlich eröffnet worden.
Mit einiger Mühe konnte wieder ein kleiner Kirchenchor zusammengebracht werden. Am 31.10.1962 war die erste Chorprobe mit 10 Sängern, davon 2 Männern. Die Leitung übernahm die Musikstudentin Frl. Gabriele Jereczek.
Unter Leitung des Künstlers Karl-Heinz-Benndorf aus Neuenhagen fand sich seit dem 19.11.1962 ein Kreis für künstlerische Arbeiten 14tägig auf Dekanatsebene zusammen. Aus den meisten Pfarreien des Dekanates kommen seitdem mit großem Eifer Ältere und Jüngere zum Malen, Schnitzen usw. Die Leistungen einzelner Teilnehmer konnten bei einer Ausstellung beim Katholikentreffen des Dekanates am 23.6.63 gewürdigt werden.
Die bereits bestehenden Zusammenkünfte 'junger Eheleute' und 'junger Familie', wie die monatlich tagenden Kreise genannt wurden, blieben bestehen."
Das Alter für die Erstkommunion der Kinder wurde vom 4. auf das 3., für manche sogar auf das 2. Schuljahr herabgesetzt. So gingen am Weißen Sonntag 1963 42 Kinder zur Erstkommunion.
Schon früher, besonders seit 1961, war es zu Treffen der katholischen Geistlichen des Dekanates Strausberg und der evangelischen Geistlichen des Kirchenkreises Strausberg gekommen. "Feste Formen nahm diese Arbeit an in achtwöchentlichen Arbeitskreisen mit Gebet, Schriftlesung und Gespräch seit 16.4.63 im Pfarrhaus Petershagen."
"In den Sommerferien (1963) wurde erstmalig eine religiöse Kinderwoche gehalten. Manche Tage waren über 70 Kinder da: vom 8. - 14.7.63. Eine große Hilfe waren 12 Jungen aus Niderorschel / Eichsfeld, die dortige Knabenschola. Mit ihrem Kantor Josef Mainzer halfen sie den Gottesdienst gestalten und vor allem auch bei uns eine Knabenschola aufzubauen. Das gelang auch durch den Gegenbesuch unserer Jungen mit Alumnus Rudi Linke, der für einige Monate aushalf."
1963 war das Jahr des Barackenbaus! "Am 6. Februar rollen die ersten 4.000 Steine an aus dem VEB Rotes Banner - Herzfelde. Es folgen bald die nächsten 4.000 Steine. Der kath. Kirche gibt man überall gern. Es sind aus der Gemeinde auch genug Helfer zur Verfügung. Am 3. und 4. April treffen per Lastzug die Barackenteile aus Rheinsberg (Fa. Hüttenrauch) ein. Aber erst am 1. Juni kann der erste Teil der Baracke aufgestellt werden. Die Arbeiten am Fundament schreiten verhältnismäßig langsam fort. Die Bauleitung hat Herr Josef Laube. Am 20.7. war endlich die schwierige Schachtarbeit für Garage und Keller - Lehmboden! - mit Maurer- und Deckenarbeiten beendet, so dass der vordere Teil der Baracke aufgestellt und das Richtfest gefeiert werden konnte. Im August folgten der Bau des Eingangs und des Schornsteins, schließlich des Betonfußbodens. Herr Suchomski verlegt die elektrische Leitung. Herr Benndorf bestimmt die Farben für Ausmalung und Art der Beleuchtung. Die festliche Weihe findet am Sonntag, dem 3. November, um 19 Uhr statt. Herr Prälat Drews spricht die liturgischen Gebete. Dozent und Ehrendomherr Böhmer aus Erfurt hält die Festrede über Edith Stein, deren Namen die Baracke tragen soll. Der Pfarrer begrüßt die Gemeinde und Gäste und schließt mit Gebet. Herr Pfarrer Muschol aus Halle hatte eigens sein Edith-Stein-Gemälde von Rudolf Brückner-Fuhlrott gebracht. - Seitdem hat sich die Baracke als unentbehrlich erwiesen. - Am 1. Adventssonntag ist ein Abendessen für alle Helfer des Barackenbaues. Wir zählten 80 Gemeindemitglieder, die irgendwann einmal mit zugefasst hatten. Dazu kamen noch eine Reihe von Schülern des Bischöflichen Vorseminars Schöneiche, die mehrmals am Sonnabend herübergekommen waren. Im März 1964 wurde der Spachtelfußboden verlegt. Herr Karl-Heinz Benndorf brachte das Edith-Stein-Triptychon, das bei ihm in Auftrag gegeben war. - Zur Einrichtung kamen neu hinzu: 100 Klappstühle, 6 Tische, 6 Wandschränke, Kleiderständer und Kindermöbel.
1963 wurde uns für die Rückwand der Kirche ein großes gotisches Triumphkreuz aus Tirol von der Gemeinde Berlin-Kaulsdorf geliehen.
Herr Heinz Kubon übernahm das Amt eines Küsters an der St. Hedwigs-Kathedrale, als Küster von St. Hubertus löste ihn am 1.10.63 Herr Bernward Massino ab. Am 1.2.1964 wurde dann sein Vater, Herr Franz Massino, Küster.
"Seit 1.10.63 trifft sich im Petershagener Pfarrhaus der Dekanats-Akademikerkreis zu Vorträgen und Aussprachen und zwar monatlich. Teilnehmer etwa 12 - 15.
Mit dem 2. Fastensonntag, dem 23.2.64, kommt die erste größere liturgische Reform: die Lesungen der hl. Messe in der Muttersprache durch den Zelebrans!"
"Zur Spendung der hl. Firmung kam Weihbischof Theissing am 2. Sonntag nach Ostern (12.4.64). Besonders eindrucksvoll war die Firmerneuerung der Jugendlichen."
Per 13.4.64 ging Frl. Mücke als Seelsorgehelferin nach Stralsund und Frl. Margarete Kunze kam von Stralsund nach Petershagen.
"Vom 27.5. bis 31.5.1964 begingen wir das 30jährige Jubiläum unserer Kirche mit Predigten von P. Aloys Lutze CSSR aus Heiligenstadt."
Am Sonntag, dem 7. Juni 1963, war Katholikentreffen des Dekanates Strausberg, das achte überhaupt, das zweite Mal in Petershagen. Es predigten Herr Prälat Schmitz und Herr Dozent Lubsczyk. Eine Hoppegartener Spielschar trug "Das lustige Klingelbeutelspiel" vor.
Zur St. Martinsfeier "kommt seit 1962 der hl. Martin auf dem Schimmel geritten. Vor der Kirchtür begegnet ihm der Bettler und erhält von ihm den halben Mantel. Die Kinder - mit St- Martinslaternen - erhalten ein Martinshörnchen."
Am 18.11.1964 war in Petershagen eine Laientagung des Dekanats. "Aus allen Pfarreien des Dekanats kamen etwa je 10 Laien mit ihrem Pfarrer und berieten in drei Arbeitskreisen wichtige Fragen: 'Gottesdienst', 'Bruderdienst' und 'Zeugendienst'. Entschließungen und Empfehlungen wurden dem Erzbischof überreicht. Am 25.3.1965 kam der Erzbischof Dr. Bengsch selbst nach Petershagen, hielt die Abendmesse und nahm dann zu diesen Empfehlungen vor den fast 100 Teilnehmern des Laientages Stellung.
"Am 1. Fastensonntag, dem 7.3.65, wird die vorläufige große Liturgie-Erneuerung in den Pfarrgemeinden eingeführt. Die Gemeinde geht gut mit und ist hoch erfreut. Am Gründonnerstag darf ich bei der Chrisammesse im Hedwigsdom zum ersten Mal konzelebrieren. Am 5. Juni spende ich dem Brautpaar Marx-Tscherney die erste Kelchkommunion."
Bei der Kirchenvorstandswahl am 14.3.1965 kandidierte Herr Josef Suchomski nicht mehr. Er starb am 8.6.1976 im Alter von 85 Jahren. - Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden wurde Herr Klemens Köhler / Vogelsdorf gewählt.
"Ab 1. April 1965 wird in unseren Räumen Religionsunterricht für die evangelischen Kinder von Petershagen-Nord gehalten."
Am 23. Juli 1965 verstarb im Alter von 65 Jahren der langjährige Organist Herr Ewald Geiger / Fredersdorf. - Seine Nachfolge trat Fräulein Gabriele Jereczek / Petershagen an.
Am 1.12.1965 begann Frl. Regina Karolewski als Nachfolgerin von Frl. Kunze ihren Dienst als Seelsorgehelferin. Sie bewohnte anfangs das Zimmer ihrer Vorgängerin, später ein Zimmer in der Lucasstr. 57.
1966 war ein Jahr großer baulicher Maßnahmen:

  1. Nach Entwürfen und unter Leitung von Architekt Egon Körner / Dresden wurde der Altarraum vorgezogen. Ein neuer Altar versus populum (wie alles andere neue aus Goldfleck Marmor) und ein Ambo wurden aufgestellt, das Taberbakel in Marmorfassung in die Rückwand eingelassen, drei Kredenzen angebracht. Dazu kam ein Priestersitz aus dunkler Eiche.
  2. "Die bisherigen Seitenleuchten an den Wänden waren nicht befriedigend. An ihre Stelle traten 14 Pendellampen." - Der Warmluftschacht der Heizung wurde im Zuge des Altarbaues von der Wand abgerückt. - Die ganze Kirche wurde neu gestrichen, die Farben dazu mit Milch angerührt.
  3. "Sofort anschließend im Juli und August kam die seit 7 Jahren in Auftrag gegebene Orgel der Fa. Schuke in Potsdam. Das Orgelgehäuse erstellte unser Tischlermeister Franz Dinter. Am Sonntag, dem 14. August, konnte die Weihe durch Erzpriester Aßmann vorgenommen werden. Meisterhaft führte sie vor Frau Dr. Johanna Schell - Potsdam. Erschienen war nicht nur der Chef der Orgelbauanstalt, sondern vor allem Prälat Schmitz, ferner der Klerus des Dekanats.

Am Abend des 15. August 1966 wurde der neue Altar durch Weihbischof Heinrich Theissing konsekriert. Neun Priester konzelebrierten am neuen Altar." -
Am 30.12.1966 wird ein Laienrat der Pfarrei / Pfarrausschuss konstituiert. "Die 10 Mitglieder sind vom Pfarrer für drei Jahre ernannt und berufen. Zum Vorsitzenden wird der Dachdeckermeister Klemens Köhler gewählt."
Am 26.6.1967 wird Erzbischof Bengsch zum Kardinal kreiert.
"Der Pfarrer geht für zwei Monate in die Priesterschule des "Werkes Mariens im Geiste der Fokolare" nach Leipzig.
1967 wurde eine Betonstraße angelegt von der Toreinfahrt Elbestraße zur Baracke und zum hinteren Pfarrhauseingang und der Verbindungsweg von der Elbestraße her zur Kirche wurde betoniert. Diese Wege waren bei schlechtem Wetter fast unpassierbar. Die Arbeiten wurden von freiwilligen Helfern meist sonnabends durchgeführt. - In der Kirche wurde alles Holz gestrichen: Binder, Bänke, Fußboden, dazu die Sakristei, die Edith-Stein-Baracke, das Pfarrhaus. Die Kirche erstrahlt so festlich wie wohl noch niemals.
Das Jahr 1968 begann sofort mit neuem Bauen. Das Pfarrheim wird durch eine Trennwand verkleinert. Es entsteht ein kleines Büro für die Seelsorgehelferin. - In der Baracke wird eine neue Beleuchtung (Leuchtröhren) angelegt."
Nach der Kirchenvorstandswahl am 30.6.1968 wurde Herr Bernward Massino / Bruchmühle zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.
"Am Freitag vor Pfingsten fand die erste ökumenische Gebetsstunde der katholischen und evangelischen Gemeinde Petershagen in unserer Kirche statt. Der evangelische Ortspfarrer Schulz sprach das Grußwort, der katholische Pfarrer hielt eine Homilie. Beide Pfarrer sprachen Gebote für die Einheit im Glauben."
1969 wurde festgestellt: "In der Fastenzeit werden seit 1963 in den einzelnen Ortschaften Fastenabende gehalten. An einem Abend in der Woche versammelt sich eine Schar in einem Haus - unterschiedlich in der Zusammensetzung, z.B. in Eggersdorf-Süd alle Katholiken vollzählig, auch in Bruchmühle, dort z.T. mit Kindern, in Vogelsdorf, dort auch viele Ältere, nur Ältere in Fredersdorf. Es wird jährlich ein bestimmter Stoff behandelt: aus dem Katechismus, aus dem AT und NT, Kirchengeschichte, zuletzt auch Konzilstexte. Als fruchtbar erweist sich dabei das Gespräch in diesen kleineren Kreisen."
"Am 29.6.1969 war die Priesterweihe von Klemens Bonin (geb. am 1.2.1940 in Berlin) durch Kardinal Bengsch in der St. Hedwigskathedrale. Am Sonntag, dem 6. Juli, war die Primiz in der Heimatkirche. Die Primizpredigt hielt Prälat Schmitz. Nach dem Primizamt war die "Pfarrfamilie" bei Kaffee und Kuchen zahlreich auf der Wiese zusammen. Zur Dankandacht am Nachmittag kamen noch einmal viele Gemeindemitglieder, um den Primizsegen zu empfangen." Er war der erste Neupriester aus Petershagen.
Am 3.5.1970 wurde ein Pfarrgemeinderat gewählt. Vorsitzender war zunächst Herr Wolfgang Walter, später Herr Manfred Weber, beide aus Petershagen.
1971 wurde vermerkt: "Für die Lesungen der hl. Messen sind Lektoren notwendig geworden. Ein Lektorenplan konnte monatlich aufgestellt werden mit 12 bis 15 Namen. Für diese wurde ein 'Lektorenkreis' gegründet. - Ferner kam ein 'Konzilskreis' zusammen. Er las Konzilstexte."
Für die Pastoralsynode kommen Gruppen zusammen, um die verschiedenen Sachgebiete zu studieren und Eingaben zu machen.
Eine ökumenische Gebetsstunde wird jährlich mit den evangelischen Gemeinden Petershagen und Fredersdorf gehalten, abwechselnd in der katholischen Kirche Petershagen und in den evangelischen Kirchen Petershagen und Fredersdorf.
Der Dekanatstag 1971 findet am 12. September in Petershagen statt. Er hatte zum Thema das Wort Pauls VI. aus der Schlussansprache beim Konzil: "Auf dem Wehe brüderlicher Liebe Gott finden." Am Vormittag zelebrierte und predigte Weihbischof Johannes Kleineidam. Am Nachmittag predigte Dekan Aßmann. - Aus Anlass dieses Tages wurde auf der Wiese in der Nordwestecke ein Podium aus Beton gegossen. Es dient seitdem vielen Zwecken, vor allem auch bei der Fronleichnamsprozession, bei der Palmweihe usw."
Herr Franz Massino beendete mit dem Jahr 1971 seine Tätigkeit als Küster, im Alter von 76 Jahren. Seitdem wird der Küsterdienst sonntags abwechselnd von einer ganzen Reihe von Männern der Gemeinde versehen.
"Für ein halbes Jahr konnte (1972) Herr Manfred Weber als Bauleiter angestellt werden. Die Südwand der Kirche war feucht geworden. In den 48 Löchern, die zur Aufnahme der Fahrräder im Beton ausgespart waren, sammelte sich das Wasser und drang in das Mauerwerk. Die Kirchenwand wurde neu verfugt, der Boden neu und mit dem nötigen Gefälle gegossen - ohne die 'Fahrradständer'. In der Kirche musste die Südhälfte des Fußbodens neu gedielt werden. Die beiden Holzpfeiler, die das Orgelchor tragen, waren unten durchgefault und bekamen einen Betonsockel. Vor der Edith-Stein-Baracke wurde der Platz betoniert. Die Blechgarage wurde umgesetzt in Richtung Süd-Nord. Sie nahm das zweite Pfarrauto auf. Vom Bischöflichen Ordinariat war es für die Seelsorgehelferin bewilligt worden. Die Eingänge zum Pfarrheim und Pfarrhaus (Hintertür) erhielten eine Überdachung."
"Im Januar (1973) fuhren die Kinder der Frohen Herrgottstunde zum 7. Male seit 1967 mit Frl. Karolewski in das St. Ottoheim in Zinnowitz."
"Am 8.4. (1973) kam der Herr Kardinal Dr. Bengsch zur Firmung."
Für die Religiösen Kinder- bzw. Jugendwochen wurde z.B. 1973 der ganze Monat August verwandt: in 4 Gruppen für die einzelnen Klassen und in 2 Gruppen für die Jugend. "Zwar waren wir schon in früheren Jahren mit Jugend und Kindern während der großen Ferien weggefahren: nach Niederorschel / Eichsfeld und Schirgiswalde vor allem, aber die späteren Jahre waren gezielter als 'Religiöse Wochen' durchgeführt: 1968 bis 1970: Johann-Georgenstadt, Herzberg, Zinnowitz, Meißen, Pillnitz, Peitz, Bad Berka, Belzig, Zossen. Ab 1971 begannen wir diese Wochen gemeinsam mit anderen Gemeinden", z.B. Gransee.
"Eine 'Offene Gruppe zur Weiterführung im geistlichen Leben' - auf Dekanatsebene - dann aber fast nur von Petershagenern verschiedensten Alters besucht, bemühte sich um Meditation, Vertiefung des religiösen Lebens und auch um ein Bewusstsein von der Gegenwart Christi in uns und unter uns. Vielleicht war dies Gruppe das erstaunlichste Zeichen der Sehnsucht nach Gott in der Gemeinde."
Zum 15.11.1973 wurde Herr Pfarrer Joachim Hinz / Hoppegarten zum Dekan des Dekanates Strausberg ernannt, nachdem Herr Pfarrer Aßmann dieses Amt 12 Jahre lang verwaltet hatte.
1974 wurde das 40-jährige Priesterjubiläum von Herrn Pfarrer Aßmann gefeiert (am 28.1.) und das 40-jährige Kirchweihjubiläum (am 27.5., äußere Feier am Fronleichnamssonntag, dem 16.6.); "Ein Volksfest, wie es jetzt so selten geworden ist."
Nach der Kirchenvorstandswahl am 10.3.1974 wurde Herr Bernward Massino zum stellvertretenden Vorsitzenden wiedergewählt, ebenso nach der Wahl am 9.3.1980.
Für die Kirche wurde 1974 ein Luftheizofen "Müritz" aus Röbel eingebaut. "Durch das Gebläse wurde zwar viel Kohle gespart, aber das Geräusch der abgesaugten Luft machte sich störend bemerkbar. Es machte viel Mühe, es etwas zu dämpfen. - Auch das Pfarrheim und die Baracke erhielten neue Öfen."
"Die Jugend war in Niepokalanow zum Fest des sel. Maximilian Kolbe und Mariä Aufnahme in den Himmel (14./15.8.74) und wurde dort als deutsche Gruppe zur Verständigung der Völker besonders hervorgehoben."
Als Organisten wirkten 1973/74 neben Frl. Jereczek auch Winfried Dinter und Manueala Kliegel. Ab 1.1.1975 war Frl. Hildegard Honisch / Berlin Organistin.
Eine Zählung der Gemeindemitglieder lt. Kartei im Juli 1975 ergab die Zahl von 1.024 (Bruchmühle 76, Eggersdorf-Süd 51, Fredersdorf (ohne Nord) 327, Petershagen 451, Vogelsdorf 119).
"Im Oktober (1975) konnte eine größere Gruppe der Gemeinde mit der Pfarrei St. Adalbert zusammen eine Wallfahrt nach Czestochowa durchführen."
"Da der alte Brunnen mehr und mehr versandete, wurde (1975) ein neuer Brunnen gebohrt von 45m Tiefe. Die Pumpe war bisher im Pfarrhauskeller. Der neue Brunnen auf der Westseite der Kirche wurde in den Heizungskeller abgeleitet, dort Pumpe und Kessel angeschlossen und jetzt umgekehrt vom Kirchenkeller zum Pfarrhaus geleitet."
1976 wurde vermerkt: "Seit Jahren ist Tradition geworden der Neujahrsempfang des Pfarrers für alle Mitarbeiter - im weitesten Sinn - der Pfarrei im Edith-Stein-Saal."
Kardinal Bengsch kam wieder zur Firmung am 28.3.1976.
Nach den Pfarrgemeinderatswahlen am 23.5.1976 wurde Herr Manfred Weber wieder zum Pfarrgemeinderatsvorsitzenden gewählt.
Vom 13. - 16.8.1976 war eine zweite Wallfahrt nach Niepokalanow.
"Am 1.9.1976 wurde die Seelsorgehelferin Fräulein Regina Karolewski nach St. Adalbert, Berlin-Mitte, versetzt. An ihre Stelle trat als Sekretärin und Katechetin Frau Marianne Meißner / Berlin, zunächst ganz- , dann nach längerer Krankheit nur noch halbtags bzw. an drei Wochentagen tätig. Frau Monika Bonin übernahm die Frohe Herrgottstunde. Einige andere junge Frauen wechselten sich mit ihr ab. Herr Michael Bonin sorgte für die Ministranten."
Am 1.11.1976 wurde das neue Gesang- und Gebetbuch "Gotteslob" in unserer Kirche eingeführt.
1976 bekam der Seitenweg vom Kirchenvorplatz zum südöstlichen Seitentor herab eine Einfassungsmauer aus Feldsteinen. Am Abzweige Seitenweg - Einfahrtsweg wurde eine Laterne aufgestellt.
"Die ganze Kirche wurde im Juli/August (1977) neu gemalt durch eigene Kräfte und zeigte sich in neuem Glanz. Edith-Stein-Baracke und Pfarrhaus wurden mit Preolitschindeln neu gedeckt. Die Baracke erhielt neue Dachrinnen."
"Die Zahl der Ungetauften nimmt zu. 1969 und 1977 waren die ersten kirchlichen Eheschließungen mit ungetauftem Partner. Ehescheidungen sind auf der Tagesordnung. - Die Kirchentüren müssen außerhalb der Gottesdienstzeiten verschlossen bleiben, weil durch die vorbeigehenden Schulkinder Gefahr besteht, dass in der Kirche Unfug und Schaden gemacht werden. Es kommen aber viele neugierige Kinder, die gern einmal die Kirche besichtigen möchten."
Am 1.5.1978 übernahm Herr Torsten Aehlig / Berlin das Amt des Organisten an Stelle von Fräulein Honisch.
"Für dieses Jahr (1978) hatten wir das Thema 'Hierarchie' gewählt, ohne zu ahnen, dass es das Jahr der drei Päpste werden sollte: Am 6.8. starb Paul VI. und am 28.9. der 33-Tage-Papst Johannes Paul I.. Am 16.10. wurde Johannes Paul II. gewählt."
"Eine Petershagenerin trat bei den Borromäerinnen in Görlitz ein und wurde am 21.10.78 eingekleidet: Schwester Ursula (Angelika) Hasler."
An Stelle der beiden - nunmehr stark verrosteten - schmiedeeisernen Leuchten für die große Kirchentreppe wurde 1978 eine neue höhere Lampe gesetzt. Diese Kirchentreppe wurde ausgebessert und erhielt ein Geländer.
"Dreimal kam (1979) Weihbischof Kleineidam zu uns. Am Aschermittwoch hielt er einen Elternabend zur Vorbereitung auf die Firmung. Das Glaubensseminar des Dekanates eröffnete er am 8.3. mit einem Vortrag: 'Die Kirche am Vorabend des 3. Jahrtausends'. Am 1.4. kam der Weihbischof zur Firmung."
Am 3. Mai 1979 "war die Sendungsfeier von drei Diakonatshelfern durch Weihbischof Kleineidam: Michael Bonin, Bernward Dinter und Wolfgang Thamm. Sie sollten den Pfarrer unterstützen beim sonntäglichen austeilen der hl. Kommunion, durch Spendung der Krankenkommunion und Abhalten von Wortgottesdiensten mit Kommunionausteilung."
"Am 1.10.1979 löste Frau Jutta Auris / Petershagen die Pfarrsekretärin Frau Meißner ab und übernahm dazu das Küster- und Rendantenamt" (Küsterdienst an den Werktagen).
"Die sieben Grundstücke in Fredersdorf, einstmals erworben für einen eventuellen Kirchbau, waren seit Jahrzehnten für uns wertlos geworden. Diese sieben Parzellen an der Holteistraße wurden (1979) verkauft."
"Am 7.12. (1979) erkrankte der Pfarrer plötzlich und musste vier Wochen ins St. Hedwigskrankenhaus, ein Kreislaufversagen. Zur Vertretung fand sich Domvikar Hoefs bereit." Nach dieser Erkrankung wurde die 14-tägige Sonntagsmesse in der evangelischen Kirche Fredersdorf eingestellt, "stattdessen hielten die drei Diakonatshelfer Wortgottesdienst. Dieser war aber so wenig besucht, dass auch er in Wegfall kam. Inzwischen sind viele Autobesitzer in der Pfarrei und damit die Möglichkeit, alle nach Petershagen in die Kirche mitzunehmen. Die Berliner Laubenbesitzer haben alle ein Auto. Die Gottesdienstzeiten wurden verändert: 7.30 Uhr und 10.00 Uhr. Vorher waren die hl. Messen um 7 Uhr im Sommer oder um 8 Uhr im Winter, die zweite hl. Messe um 10.30 Uhr. Die dritte Messe in Fredersdorf war um 8.30 Uhr im Sommer oder um 15 Uhr im Winter. - Die wöchentliche Rentnermesse mit dem anschließenden Beisammensein wurde reduziert auf eine Messe im Monat. Der Pfarrer hatte bisher selbst die Alten und Gehbehinderten mit seinem Auto abgeholt. Das besorgten nunmehr Taxi-Autos. - Auch die Kindermesse am Donnerstag nachmittag fiel weg."
"Nach langer Krankheit verstarb am 13.12.1979 Kardinal Alfred Bengsch. Bestürzung und Trauer waren allgemein und tief."
Am 17.5.1980 wurde der bisherige Erfurter Weihbischof Dr. theol. Joachim Meisner als neuer Bischof von Berlin eingeführt.
"Der Dekanatstag am 22.6. (1980) wurde in Petershagen gehalten. Thema: 'Freut euch, wir sind Gottes Volk.' Der Tag war bestimmt durch das 50jährige Bistumsjubiläum. Domvikar Beißel hielt die Festpredigt. Am Nachmittag begann es zu regnen. Deshalb musste der Abschluss in die Kirche verlegt werden. Für 800 Leute war sie doch zu klein!"
"An die Edith-Stein-Baracke wurde (1980) eine Küche angebaut. Durch die Jugend wurde die ganze Baracke innen renoviert. Pfarrhaus, Pfarrheim, Büro und Sakristei wurden tapeziert usw.. Die Steinplatten auf dem Kirchenvorplatz mussten neu verlegt werden. Am Betonpodium stellte Herr Weber ein festmontiertes hohes Stahlkreuz auf. Ebenso formte er ein neues Kreuz für den Turm und brachte es allein hinauf."
Im Sommer fanden Busfahrten statt, in den besten Zeiten waren es zwei Autobusse mit 60 bis 70 Leuten. Hl. Messe, Besichtigungen, Dampferfahrt o.ä. und Zusammensein mit Essen, Kaffee usw. standen auf dem Programm. Die Ziele waren:

 

  • 1969 Ützdorf und Biesenthal
  • 1970 Spreewald - Lübbenau
  • 1971 Neuruppin
  • 1972 Schiffsfahrt nach Alt-Buchhorst
  • 1973 Kloster Chorin
  • 1974 Michendorf St. Norberthaus, Kirche Ludwigsfelde
  • 1975 Neuzelle
  • 1976 Bad Saarow
  • 1977 Marienstern und Rosenthal
  • 1978 Brandenburg - Kirchmöser
  • 1979 Paradies (Polen) und Fankfurt/Oder
  • 1980 Neuzelle und Frankfurt/Oder.

"An einem Freitagabend (1980) kurz vor Beginn der Bistumsmesse um 19 Uhr im Monat Juli war ein schweres Gewitter mit Wolkenbruch. Das Abflussrohr vom Turmdach staute das Wasser, das Rohr im Turm hielt nicht stand, in Strömen ergoss sich das Wasser über die Orgel. Die Fa. Schuke - Potsdam musste alle Orgelpfeifen ausbauen und zum Trocknen liegenlassen. Die Windladen waren nass usw. Ein Manual wurde z.T. wieder spielbar gemacht. Eine größere Orgelreparatur" konnte im Januar 1981 erfolgen.
Am 10.2.1980 verstarb nach langer Krankheit Pfarrer Klemens Bonin, zwei Tage nach seiner Mutter. Die Beerdigung war in Petershagen am 18.2. Die beiden Särge waren nebeneinander vor dem Altar in der Kirche aufgebahrt. Bischof Joachim Meisner zelebrierte das Requim. Caritasdirektor Reinhold Janiszewski hielt die Predigt, Dekan Pietralla die Beisetzung. "Es waren wohl 100 Priester gekommen. Sechs Schöneichener Studenten trugen den Sarg ihres verstorbenen Rektors, sechs Männer aus Petershagen den Sarg der Mutter. Viele Ordensschwestern, Gemeindemitglieder aus Schöneiche, Potsdam, Berlin-Pankow, Falkensee, den Stationen seines Priestertums, und aus Petershagen waren gekommen. Die Bänke hatten wir z.T. aus der Kirche entfernt, um Platz für alle schaffen zu können. Den trauerzug zum Friedhof bildeten über 150 Autos und ein Bus."
"Am 13.5. (1981) wurde ein Attentat auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz verübt. Große Bestürzung! - Am 2.6. starb Weihbischof Johannes Kleineidam, auch von vielen Petershagenern betrauert."
1981 wurde die Wand der Treppe zum Kirchenheizungskeller "neu gerichtet und durch eine Betonmauer gestützt. Auf der West- und Nordseite der Kirche wurde der Fußweg betoniert, so dass jetzt der Ring um die Kirche vollständig geschlossen ist.
Am Sonnabend, dem 27.3.1982, war Bischof Joachim Meisner in Petershagen zur Firmung.
"Sehr zugenommen haben die Laubenkolonien, besonders in Vogelsdorf und - seit Errichtung des Berlin-Marzahner Neubaugebietes - in Bruchmühle. So ist der Besuch der Sonntagsmessen im Sommer angewachsen."
Nach der Pfarrgemeinderatswahl am 16.5.1982 wurde Herr Michael Bonin / Petershagen zum Pfarrgemeinderatsvorsitzenden gewählt.
"Zum 1. September 1982 - nach 20 Jahre - wurde von Pfarrer Aßmann der Verzicht auf die Pfarrei St. Hubertus geleistet und vom Bischof angenommen. Das Alter (73 Jahre) war erreicht, in dem man einmal aufhören muss." Am Sonntag, dem 29.8., war um 15 Uhr eine Andacht mit anschließender Abschiedsfeier für Herrn Pfarrer Aßmann. Er verzog in das Pfarrhaus Potsdam-Babelsberg. "Im Werk Mariens war ein Priester willkommen, der sich voll für dessen u.a. geistliche Aufgaben zur Verfügung stellte."
Als Nachfolger wurde am Sonntag, dem 5.9., in einer hl. Messe um 16 Uhr durch Dekan Hinz Pfarrer Ernst Dickenscheid (bisher Wilhelmshorst bei Potsdam) eingeführt.

Der Altar muss aus zwölf Teilen zusammengesetzt werden und ist trotzdem noch nicht wackelig geworden. Punkt 7 Uhr ist Herr Thomas zur Stelle, klopft die Wirtsleute aus dem Schlaf, was im Winter nicht immer leicht ist, wenn die Wirtsleute wegen der am Sonnabend stattgefundenen Vergnügungen bis tief in die Nacht haben aufbleiben müssen, und beginnt mit seinen Helfern und Helferinnen die Aufbauarbeit, die bis 7.40 Uhr dauert. Um 7 Uhr läuft der Zug ein, der den Pfarrer von Hoppegarten zum Gottesdienst bringt. Wenn der Ankleideraum frei ist, beginnt in ihm das Beichthören und um 8 Uhr die hl. Messe, möglichst mit Predigt. Spätestens um 9 Uhr muss alles zu Ende sein, denn nur bis dahin steht der Saal zur Verfügung und um 9.05 Uhr geht auch schon wieder der Zug, der den Pfarrer zum Gottesdienst nach Hoppegarten zurückbringt. Trotz dieser Beschränkung ist den sonntäglichen Besuchern der Saal vertraut geworden. Der Eifer der Gemeindemitglieder versteht es, den Raum stimmungsvoll herzurichten, außer dem Messaltar wird sogar noch ein Marienaltärchen mit reichem Blumenschmuck in einer Ecke aufgestellt, und dieser Muttergottesaltar muss die Theke verdecken, die der Wirt in der Ecke eingebaut hat." - Zum ersten Gottesdienst am 4. Dezember 1927 kamen 70 Gläubige, im Jahre 1928 waren es sonntagsdurchschnittlich 81, 1929: 90, 1930: 135 (im Juni durchschnittlich 193, größte Zahl: Pfingstsonntag: 246), 1931: 185, 1932:251, 1933 schließlich: 350! Dafür reichte freilich der Saal nicht; selbst wenn die Bühne und der Gastraum hinzugenommen wurden, mussten noch Leute vor der Tür im Freien stehen. - Schon 1931 wurde eine eigene Monstranz gekauft und zwei Silberleuchter für den Marienaltar gestiftet.
Es wurden veranstaltet: Frühlingsfeste, Stiftungsfeste, Weihnachtsfeiern, Ausflüge. Am 5. November 1929 war ein "Eisbein- und Wurstessen, das sehr fidel und gemütlich" verlief. Über die Weihnachtsfeier 1931 wird berichtet: "Infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und weil dem Verein für diesen Zweck so gut wie keine Mittel zur Verfügung stehen, außerdem bereits der Elisabeth-Verein eine Bescherung in Neuenhagen veranstaltet hatte, sollte die diesjährige Weihnachtsfeier ganz ausfallen, was von den Mitgliedern und besonders den Kindern sehr bedauert wurde. So kam es, dass der Vorstand, dem Drängen der Kleinen nachgebend, sich in letzter Minute doch noch entschloss, eine Weihnachtsfeier mit Aufführungen der Kinder, die Frau Marquardt eingeübt hatte, zu veranstalten, die dafür auch recht stimmungsvoll und gemütlich verlief." - Vorträge wurden gehalten über religiöse und allgemeininteressante Themen (z.B. Brieftaubenzucht). - "Um zur Verschönerung des Gottesdienstes durch Chorgesang noch mehr wie bisher beitragen zu können, ist eine Gesangsabteilung von Damen und Herren des Vereins gebildet worden" - heißt es im Jahresbericht 1929.
Ebenfalls für 1929 wird berichtet: "Auch für die Wohlfahrt hat sich der Vorstand interessiert und ist diesbezüglich von einigen Mitgliedern, insbesondere den Damen Frau Geiger, Frau Cremer, Frau Fiedler, Frau Marquardt recht erfreuliche Arbeit geleistet worden. Über dieses Thema wird zu gegebener Zeit noch zu reden sein, insbesondere fehlt die Organisation."